07 May 2026, 06:16

AfD-Streit eskaliert: Gottschalk stellt Parteiprogramm vor Wahlen infrage

Plakat für die Bergbahn, Deutschland, zeigt Gebäude, Bäume, Hügel und beschreibenden Text.

AfD-Streit eskaliert: Gottschalk stellt Parteiprogramm vor Wahlen infrage

Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD, sieht sich mit öffentlicher Kritik von ihrem Parteikollegen Hansjörg Gottschalk konfrontiert – und zwar zu zentralen politischen Positionen. Der ehemalige Investmentbanker und heutige AfD-Politiker äußerte sich zu Steuerreformen, Rentenpolitik und Energiefragen, stellte dabei aber auch Teile des eigenen Parteiprogramms infrage. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der sich die AfD auf die anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland vorbereitet, wo sie derzeit in drei Bundesländern in Umfragen führt.

Gottschalk lobte zunächst einige steuerpolitische Maßnahmen der großen Koalition. Er hob die Senkung der Unternehmenssteuern, die Reduzierung der Energieabgaben sowie die Erhöhung der Pendlerpauschale als positive Schritte hervor. Gleichzeitig argumentierte er, dass diese Entlastungen nicht ausreichten, um die finanzielle Belastung von Unternehmen und Haushalten spürbar zu verringern.

Beim Thema Energie bezog er sich auf eigene Erfahrungen: Seit vier Jahren nutzt er eine Photovoltaikanlage, einen Heimspeicher und seit Kurzem eine Wärmepumpe. Zudem fährt er ein Elektroauto eines deutschen Herstellers. Er betonte, Wärmepumpen seien die kostengünstigste Heizoption und ließen sich auch mit herkömmlichen Heizkörpern betreiben – nicht nur mit Fußbodenheizungen.

Besonders bemerkenswert waren jedoch seine Kritikpunkte am eigenen Parteiprogramm. So forderte er eine Überprüfung der AfD-Position zum „Dexit“ aus dem Jahr 2022 – dem Vorstoß für einen Austritt Deutschlands aus der EU. Zudem schlug er grundlegende Reformen in der Rentenpolitik vor, darunter eine stärkere private Vorsorge und kapitalgedeckte Altersvorsorge. Eine Idee sah vor, einen Teil des Kindergelds in einen staatlichen Fonds zu fließen, der am Kapitalmarkt angelegt wird. Ein weiterer Vorschlag zielte darauf ab, Einnahmen aus einer Pkw-Maut zur Stärkung der gesetzlichen Rente zu nutzen. Gottschalk räumte ein, dass nicht alle Berufstätigen – insbesondere Handwerker – bis über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten könnten, und plädierte daher für flexiblere Renteneintrittsoptionen.

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Doch Gottschalks Forderungen beschränkten sich nicht auf nationale Themen. Er verlangte auch ein Ende der EU-Agrarsubventionen mit der Begründung, Landwirte seien nicht mehr auf diese angewiesen. Damit stellte er sich nicht nur gegen die eigene Parteiführung, sondern auch gegen die ländliche Wählerbasis der AfD, für die landwirtschaftliche Subventionen ein umstrittenes, aber wichtiges Thema bleiben.

Mit seinen Vorschlägen – von der Rentenpolitik bis zur Energiewende – setzt Gottschalk die AfD unter Zugzwang, Teile ihres Programms vor den entscheidenden Wahlen zu überdenken. Seine Mischung aus persönlichen Erfahrungen und politischen Ideen stellt die aktuelle Ausrichtung der Partei infrage. Die Debatte kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die AfD in Ostdeutschland weiterhin stark in den Umfragen liegt – und ihre Positionen zu EU, Landwirtschaft und Sozialpolitik dort besonders kritisch unter die Lupe genommen werden.

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