13 June 2026, 16:12

Angélica Liddells provokantes Seppuku feiert rauschende Premiere in Wien

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokantes Seppuku feiert rauschende Premiere in Wien

Angélica Liddells neueste Performance Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte im Februar 2024 am Wiener Volkstheater Premiere. Das Stück ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die sich mit den Themen Leben, Tod und dem Makabren auseinandersetzen. Liddells Werk erforscht das Leben und den Tod Fremder durch ihre Kleidung und persönlichen Geschichten.

Die zweistündige Produktion bezieht sich stark auf das Leben des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der 1966 seinen rituellen Selbstmord – Seppuku – inszenierte und ihn 1970 vollzog. Liddell lässt diese Szene auf der Bühne nachstellen und bedient sich dabei Elementen des Nō-Theaters, um deren Feierlichkeit und Intensität einzufangen.

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Die Aufführung enthält drastische und eindringliche Momente. An einer Stelle lassen sich Liddell und eine weitere Darstellerin Blut abnehmen und vermischen es auf der Bühne. In einer anderen Szene vollzieht sie einen Akt der Selbstbefriedigung mit rohem Fleisch und sprengt damit die Grenzen expliziter Darstellungen. Eine düstere, fast groteske Komik entsteht, als ein Bodybuilder die Bühne betritt, während sich junge Männer um ihn herum entkleiden.

Liddells Auseinandersetzung mit dem Tod ist zutiefst persönlich. Am 7. Januar 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau – eine Erfahrung, die das Stück prägt. Den Höhepunkt bildet ihre leidenschaftliche Verteidigung des Suizids als Akt der Selbstbestimmung.

Die Performance konfrontiert das Publikum mit einer schonungslosen, rohen Darstellung der Sterblichkeit. Durch Mishimas Geschichte und ihre eigenen Erlebnisse stellt Liddell das Tabu des Suizids mit provokanter Ehrlichkeit zur Diskussion. Das Stück hinterlässt einen bleibenden Eindruck als Teil der festivalweiten Auseinandersetzung mit den düstersten Facetten des Lebens.

Quelle