Autofreie Zone in Berlin-Mitte scheitert an fehlenden Unterschriften
Kampagne für drastische Autoreduzierung in Berlin-Mitte scheitert an fehlenden Unterschriften
Die Initiative „Autofreies Berlin“, die private Autos innerhalb des S-Bahn-Rings weitgehend verbieten wollte, ist gescheitert, weil sie die notwendige Unterstützung verfehlte. Bis zum Stichtag am 8. Mai sammelte die Gruppe nur 140.000 Unterschriften – deutlich weniger als die erforderlichen 174.000. Der Vorschlag hatte eine Debatte über die Verkehrspolitik in einer Stadt entfacht, die ohnehin schon für ihre geringe Autodichte bekannt ist.
Das Vorhaben sah ein fast vollständiges Verbot privater Pkw innerhalb des S-Bahn-Rings vor, mit Ausnahmen für Rettungsfahrzeuge, Taxis, Busse und kleine Elektrofahrzeuge. Autofahrer hätten jährlich 12 selbst gewählte Tage erhalten, an denen sie die Zone frei befahren dürfen. Kritiker warfen der Initiative jedoch vor, überstürzt zu handeln und Beschränkungen durchsetzen zu wollen, bevor die nötige Infrastruktur – etwa ein ausgebauter Öffentlicher Nahverkehr – bereitstehe. Ein schrittweiser Ansatz, etwa durch City-Maut oder höhere Parkgebühren, hätte möglicherweise breitere Zustimmung gefunden.
Das geplante Gesetz hätte Ausnahmen für Lieferverkehr, Wirtschaftsverkehr und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen vorgesehen. Selbst bei einer Annahme wäre die Umsetzung jedoch schwierig gewesen – unklar blieb, ob sich Autofahrer an die Regeln halten würden. Zudem stellten viele Berliner infrage, ob Volksentscheide überhaupt noch Einfluss auf die Politik haben, da regierende Parteien deren Ergebnisse oft ignorieren.
Trotz des Rückschlags zeigen Umfragen eine starke öffentliche Unterstützung für Verkehrswende-Maßnahmen. Rund 59 Prozent der Einwohner befürworten die Umwandlung von Autospuren in Bus- oder Straßenbahntrassen, während 67 Prozent strengere Parkregeln fordern. Berlin verzeichnet bereits die niedrigste Autodichte Deutschlands mit nur 329 Privatautos pro 1.000 Einwohner – und die Zahl sinkt weiter.
Das gescheiterte Referendum hinterlässt Berlins Verkehrspolitik in der Schwebe, doch der Wunsch nach Veränderung bleibt. Weniger radikale Maßnahmen wie eine City-Maut oder besseres Parkraummanagement könnten das Verkehrssystem der Stadt dennoch prägen. Vorerst jedoch geht die Diskussion über die Verringerung der Autonutzung in Berlin ohne klare Perspektive weiter.






