Bulgakow-Denkmal in Kiew entfernt: Kulturerbe oder Symbol der Entkolonialisierung?
Admin UserBulgakow-Denkmal in Kiew entfernt: Kulturerbe oder Symbol der Entkolonialisierung?
Denkmal für Mikhail Bulgakow in Kiew am 4. Juni 2023 entfernt
Die Entscheidung des Stadtrats von Kiew, ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Mikhail Bulgakow zu demontieren, hat eine kontroverse Debatte ausgelöst. Während einige den Schritt als Teil der Entkolonialisierung begrüßen, verteidigen andere Bulgakows enge Verbindung zur ukrainischen Kultur.
Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk kritisierte die Entfernung scharf und bezeichnete sie als „sinnlose“ Handlung, die einen Teil des kulturellen Erbes der Stadt auslösche. Das Denkmal stand vor dem Bulgakow-Museum am Andrejassteig. Seine Beseitigung erfolgte im Rahmen einer breiter angelegten Politik des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung, das bestimmte Kulturpersönlichkeiten als Symbole des russischen Imperialismus einstuft.
Popadjuk, die Der Meister und Margarita mit 14 Jahren erstmals las, betonte, dass Bulgakows Werke die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft entlarvt hätten. Sie verwies auf seine tiefen Wurzeln in Kiew, wo er geboren wurde und später als Arzt arbeitete. In ihrer Stellungnahme zitierte sie die Worte des Schriftstellers: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“
Die Maßnahme des Stadtrats spaltet die öffentliche Meinung. Befürworter sehen darin einen notwendigen Schritt, um sich von russischem Kultureinfluss zu befreien. Kritiker hingegen bestehen darauf, dass Bulgakow ein unverzichtbarer Teil der Kiewer Geschichte und Literaturtradition bleibt.
Die Entfernung des Denkmals steht im Kontext der laufenden Überprüfung öffentlicher Symbole mit Russlandbezug. Popadjuks Kritik unterstreicht die Spannung zwischen Kulturerhalt und Entkolonialisierung. Die Diskussion über Bulgakows Platz in Kiew wird voraussichtlich weitergehen, da ähnliche Fälle aufkommen.






