20 March 2026, 18:17

Christian Ulmen: Vom Frauenverächter auf der Bühne zum mutmaßlichen Täter im echten Leben

Schwarze und weiße Zeitschriftentöter mit der überschrift 'Humoristische Liste', die einen Mann in einem Anzug mit ernster Miene und eine Frau zeigt, die wegsieht und schmunzelt.

Christian Ulmen: Vom Frauenverächter auf der Bühne zum mutmaßlichen Täter im echten Leben

Schauspieler und Komiker Christian Ulmen baute seine Karriere auf frauenfeindliche Rollen auf – vom dominanten Freund bis zum derben Gameshow-Moderator. Seine Bühnenfigur verspottete Frauen oft, doch aktuelle Vorwürfe seiner Ex-Frau, Collien Fernandes, deuten auf eine düstere Realität hinter der Fassade hin. Fernandes hat nun öffentlich über Jahre der Misshandlung gesprochen, darunter auch das, was sie als "virtuelle Vergewaltigung" durch ihn beschreibt.

Ulmen wurde erstmals Mitte der 2000er mit "Mein neuer Freund" bekannt, einer Reality-Show, in der er wöchentlich einen anderen schrecklichen Freund spielte. Das Format zwang Frauen an ihre Grenzen – die fiktiven Partnerinnen verließen ihn meist, es sei denn, sie hielten bis zum Schluss für einen Geldpreis durch. Eine seiner berüchtigtsten Rollen war Alexander von Eich, ein reicher, aristokratischer Snob, der seine Freundin demütigte, sie "Franziskarrrrr!" rief und mit seinem Stock herumkommandierte.

2013 trieb Ulmen seinen provokanten Stil mit "Wer will meine Freundin vögeln?" auf die Spitze, einer satirischen Gameshow auf Tele 5. Als Moderator Uwe Wöllner – eine Figur mit schiefen Zähnen – ließ er Männer in peinlichen Challenges gegeneinander antreten, um zu beweisen, wer die "heißeste" Freundin hatte. Das Konzept lebte von der Objektifizierung von Frauen, auch wenn Details der Aufgaben unklar bleiben.

Hinter den Kulissen soll Ulmens Verhalten laut Fernandes jedoch weit schlimmer gewesen sein als seine Auftritte. Sie wirft ihm vor, unter ihrem Namen gefälschte Online-Profile erstellt, pornografische Inhalte verbreitet, Online-Dating betrieben und sogar TelefONSEX geführt zu haben, während er sich als sie ausgab. Sie nennt dies "virtuelle Vergewaltigung" und beschreibt die Erfahrung als eine Verletzung, die sie ohnmächtig zurückließ. Ihr Schritt an die Öffentlichkeit erinnert an die Worte der Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot: "Die Scham muss die Seite wechseln."

Als die Beziehung zwischen Fernandes und Ulmen 2010 öffentlich wurde, hinterfragten manche – darunter der Autor eines früheren Artikels – ihre Partnerwahl. Heute fügt sich ihr Bericht in eine wachsende Liste von Fällen ein, in denen sich zeigt, dass die Gewalt von Männern gegen Frauen erschreckend real ist und nicht nur inszeniert.

Fernandes' Vorwürfe zeichnen das beunruhigende Bild eines Mannes, dessen auf der Bühne zur Schau gestellte Grausamkeit möglicherweise reale Gewalt widerspiegelte. Während Ulmens Karriere auf überzeichneten Schurkenrollen aufbaute, zwingt ihr Zeugnis zu einer Auseinandersetzung mit der Grenze zwischen Satire und Missbrauch. Der Fall reiht sich ein in die lange Liste von Frauen, die über Gewalt durch mächtige Männer sprechen – und damit ein System infrage stellen, das solche Taten oft deckte.

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