Deutsche Wirtschaftsforscher halbieren Wachstumsprognose für 2026 wegen Energiekrise
Admin UserDeutsche Wirtschaftsforscher halbieren Wachstumsprognose für 2026 wegen Energiekrise
Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute halbieren Wachstumsprognose für 2026
Die Spitzeninstitute der deutschen Wirtschaftsforschung haben ihre Wachstumsvorhersage für 2026 drastisch nach unten korrigiert – um die Hälfte. Die deutliche Revision kommt angesichts explodierender Energiepreise, die durch den Iran-Konflikt in die Höhe getrieben werden und schwer auf der Wirtschaft lasten. Ihr aktueller Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, zeichnet ein düsteres Bild: höhere Inflation und eine schwächere Konjunktur.
Seit Ende Februar 2026 hat der eskalierende Iran-Konflikt die Energiekosten in die Höhe schnellen lassen. Angriffe ab dem 28. Februar unterbrachen den Ölfluss durch die Straße von Hormus und blockierten täglich 3,3 Millionen Barrel. Die Preise für Brent-Rohöl stiegen um 54 bis 57 Prozent auf über 113 Dollar pro Barrel, während die europäischen Gaspreise am TTF-Handelsplatz um fast 60 bis 61 Prozent auf etwa 50 Euro pro Megawattstunde kletterten. Raffinerien im Nahen Osten, in China und Indien stellten den Betrieb ein, was die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Diesel stark in die Höhe trieb.
Deutschland und die Eurozone tragen die Hauptlast der Krise. Die Inflation wird nun für 2026 auf 2,8 Prozent und für 2027 auf 2,9 Prozent geschätzt – eine Belastung für Haushalte und Industrie gleichermaßen. Milchproduzenten und andere energieintensive Branchen kämpfen mit steigenden Kosten, während zusätzliche Druck auf die Gasversorgung durch Drohungen aus Russland entsteht. Weltweit sind auch die Preise für Lebensmittel und US-Benzin gestiegen.
Timo Wollmershäuser, Leiter der Wirtschaftsforschung am Münchner ifo Institut, machte den Energiepreisschock für den Abschwung verantwortlich. Die Institute prognostizieren nun ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von nur noch 0,6 Prozent im Jahr 2026 und 0,9 Prozent im Jahr 2027 – halb so viel wie zuvor erwartet. Sie warnten vor kurzfristigen staatlichen Preisdeckeln und sprachen sich stattdessen für gezielte soziale Hilfen aus, um einkommensschwache Haushalte zu schützen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bezeichnete die Prognose als "Weckruf für mutige Reformen". Die eigenen Konjunkturprognosen der Regierung wird ihr Ministerium am 22. April vorlegen. Der Frühjahresbericht, der in Zusammenarbeit mit sechs führenden deutschen und österreichischen Instituten entstand, unterstreicht die sich verschärfenden Herausforderungen der kommenden Jahre.
Die überarbeitete Einschätzung deutet auf schwierigere Zeiten für die deutsche Wirtschaft hin. Mit anhaltend hoher Inflation und schwachem Wachstum steht die Politik vor der Aufgabe, Entlastungsmaßnahmen mit langfristiger Stabilität in Einklang zu bringen. Die Reaktion der Regierung, die noch in diesem Monat erwartet wird, wird mit Spannung verfolgt.






