02 April 2026, 14:16

EMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und künstlerische Freiheit

Plakat für ein Festival in München mit einem Bild einer Frau mit Menschen und B├Ąumen und Text.

EMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und künstlerische Freiheit

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück steht wegen der Entscheidung, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Al-Sharif zu zeigen, in der Kritik. Während der Festivalvorstand ihre Arbeit ausdrücklich unterstützt, distanzieren sich lokale Politiker und Amtsträger von der Veranstaltung. Im Mittelpunkt der Debatte stehen nicht der Film selbst, sondern frühere Social-Media-Beiträge Al-Sharifs, die von manchen als antisemitisch interpretiert werden.

Das diesjährige Festival unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" setzt sich mit künstlerischer Freiheit und Verantwortung auseinander. Al-Sharifs Werk "Morning Circle" wurde im Rahmen dieses Schwerpunkts ausgewählt und knüpft damit an die Tradition des EMAF an, ihre Filme zu präsentieren. Das Programm des Festivals umfasst zudem Beiträge palästinensischer, jüdischer und israelischer Künstler:innen.

Kritik kommt unter anderem vom Osnabrücker Kulturdezernenten Wolfgang Beckermann, der erklärt, er hätte es vorgezogen, wenn das Festival auf Al-Sharifs Beitrag verzichtet hätte. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und die Stadt Osnabrück distanzieren sich von der Veranstaltung. Dagegen argumentiert Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, dass palästinensische Stimmen nicht unter dem Vorwurf des Antisemitismus zum Schweigen gebracht werden dürften.

Al-Sharifs Social-Media-Aktivitäten, darunter ein Halloween-Foto, werden vom künstlerischen Leiter des Festivals als mehrdeutig beschrieben. Der Hauptstreitpunkt sind jedoch ihre politischen Äußerungen und die angebliche Unterstützung der BDS-Bewegung, die von deutschen Behörden in den vergangenen Jahren wiederholt als antisemitisch verurteilt wurde. 2019 verabschiedete der Bundestag eine Resolution gegen die Förderung von BDS, und 2025 lehnte der Chemnitzer Parteitag der Linken die IHRA-Definition von Antisemitismus ab. Die Bewegung hat zudem Proteste ausgelöst, darunter antisemitische Kundgebungen unter antiisraelischen Parolen nach den Hamas-Angriffen 2023.

Der Festivalvorstand bleibt bei seiner Entscheidung, Al-Sharifs Film zu zeigen, und betont die künstlerische Freiheit. Die Kontroverse verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen der politischen Ablehnung von BDS und dem Bemühen kultureller Einrichtungen, vielfältige Perspektiven einzubeziehen. Al-Sharifs Werk wird wie geplant gezeigt, während die Debatte über ihre Teilnahme weitergeht.

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