Göttingen gründet Dachverband für selbstverwaltetes Wohnen gegen Privatisierung und Rechtsextremismus
Admin UserGöttingen gründet Dachverband für selbstverwaltetes Wohnen gegen Privatisierung und Rechtsextremismus
Neuer Dachverband für selbstverwaltetes Wohnen in Göttingen gegründet
Nach Jahren der Vorbereitung hat sich in Göttingen ein neuer Dachverband für selbstverwaltetes Wohnen konstituiert. Die als gemeinnützig eingetragene Vereinigung vereint elf lokale Wohnprojekte unter einem gemeinsamen Ziel: den Schutz bestehender Häuser vor Privatisierung und die Unterstützung neuer Initiativen, die mit Herausforderungen wie wachsender rechtsextremer Bedrohung konfrontiert sind.
Eines der ältesten Mitglieder ist das Projekt KBR10/12 am Kreuzbergring, das in den 1970er-Jahren als besetzter Wohnraum begann. Nach Jahrzehnten unter der Verwaltung des Studentenwerks erlangten die Bewohner:innen 2021 die volle Eigentümerschaft.
Der Dachverband Selbstverwalteter Wohnprojekte Göttingen wurde am 15. März 2023 nach einer achtjährigen Vorbereitungsphase gegründet. Er vertritt nun elf vollständig in Bewohner:innenhand befindliche Projekte in der Stadt und der Umgebung, darunter Kreuzbergring 10/12, Bürgerstraße 50a sowie Goßlerstraße 17/a und 21.
Anders als bei früheren Hausbesetzerbewegungen wurden keine der heutigen Mitgliedshäuser in den 1970er-Jahren besetzt. Stattdessen erworben die Initiativen die Immobilien schrittweise auf legalem Weg. Die Struktur des Verbands orientiert sich am Mietshäuser-Syndikat, wirkt jedoch lokal und verankert sich in den Satzungen der einzelnen Projekte als Schutzinstanz.
Zur Finanzierung zahlen die Mitgliedsprojekte einen jährlichen Solidaritätsbeitrag. Diese Mittel fließen in Gutachten oder werden bei Bedarf als direkte Darlehen vergeben. Zudem führt der Verband Gespräche mit zwei weiteren Göttinger Häusern, deren Bewohner:innen den Kauf ihrer Gebäude anstreben.
Neben finanzieller und rechtlicher Unterstützung bietet die Vereinigung auch praktische Hilfe bei Bauvorhaben an – ein Angebot, das angesichts zunehmender rechtsextremer Angriffe auf alternative Wohnprojekte immer dringlicher wird. Ein weiteres zentrales Anliegen des Kollektivs ist die Verhinderung der Reprivatisierung bestehender Häuser.
Mit der Gründung des Dachverbands festigt Göttingen sein Netzwerk selbstverwalteter Wohnprojekte. Die Bewohner:innen verfügen nun über eine formelle Struktur, um Ressourcen zu teilen, sich gegen Bedrohungen zu verteidigen und ihr Modell auszubauen. Mit elf bereits beteiligten Projekten und weiteren in Verhandlung strebt die Gruppe an, alternative Lebensräume in der Region langfristig abzusichern.






