"Horror-Heim"-Prozess: Wie vier Pfleger Bewohner für Profit quälten
Ein deutsches Pflegeheim, das von der Presse einst als „Horror-Heim“ betitelt wurde, steht nun im Mittelpunkt eines erschütternden Prozesses. Vier leitende Mitarbeiter, darunter die ehemaligen Besitzer des Heims, müssen sich wegen des Vorwurfs verantworten, Bewohner systematisch misshandelt zu haben, um höhere Pflegegelder zu erschleichen. Im Zeitraum zwischen 2017 und 2020 soll es zu Zwangsmedikation, Freiheitsberaubung und vorsätzlicher Vernachlässigung gekommen sein.
Im Fokus der Verhandlung steht das Haus Linde, wo die Staatsanwaltschaft den Bewohnern gezielt Schaden zugefügt haben soll, um höhere Pflegeleistungen zu rechtfertigen. Zwei Bewohner, Rosemarie B. und Victor D., erlitten nach der Verabreichung starker Beruhigungsmittel einen schweren gesundheitlichen Verfall. Rosemarie B. erhielt das Neuroleptikum Dominal und war bereits nach sechs Monaten bettlägerig. Victor D., der angeblich in seinem Zimmer eingeschlossen und massiv medikamentös behandelt wurde, verlor die Fähigkeit, sich aufzusetzen oder selbstständig zu essen.
Zu den Angeklagten zählen der ehemalige Heimleiter Ralf S., seine Ehefrau Iris S., die Einrichtungsleiterin Kathrin G. sowie die Pflegedienstleitung Angela F. Ihnen werden Freiheitsberaubung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Aus den Prozessakten geht ein strenges Kontrollsystem hervor, bei dem tägliche Besprechungen oft vom Anwesen des Ehepaars auf Mallorca aus geführt wurden. In der Anklageschrift werden die damalige Heimleitung und die Pflegedienstleitung 456 Mal erwähnt – ein Beleg für ihre zentrale Rolle.
Nach einer Polizeirazzia im Sommer 2020 verkaufte das Ehepaar die Einrichtung für mehrere Millionen Euro. Der Prozess, der derzeit läuft, soll bis Januar 2027 dauern; mehr als fünfzig Verhandlungstage sind angesetzt.
Der Fall deckt ein mutmaßliches System von Misshandlung auf, das mit finanziellen Anreizen verknüpft war. Bewohner sollen über Jahre hinweg mit steigenden Medikamentendosen sediert worden sein, was zu einem raschen körperlichen Verfall führte. Nun muss das Gericht klären, ob die Angeklagten Pflegebedürftigkeit vorsätzlich manipuliert haben – und wie viele Leben dadurch zerstört wurden.






