Humboldt Forum: Zwischen preußischem Erbe und postkolonialer Kritik
Das Humboldt Forum in Berlin beherbergt heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst unter seiner markanten Kuppel mit dem Kreuz. Trotz seines ambitionierten Kulturprogramms gelingt es dem Haus nicht, sich von seiner umstrittenen Vergangenheit und der umstrittenen Architektur zu lösen.
Finanziert von vermögenden rechtspopulistischen Spendern, wurde das Humboldt Forum errichtet, um preußischen Glanz im Herzen Berlins wiederaufleben zu lassen. Seit seiner Eröffnung vor fünf Jahren ist es zudem zum Kristallisationspunkt für Debatten über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt geworden. Diese Diskussionen haben einstige Nischenthemen ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Im vergangenen Jahr zog das Forum rund 634.000 Besucher an – ein Bruchteil der Besucherzahlen des Louvre. Sein Publikum besteht nach wie vor überwiegend aus Touristen, obwohl das Programm oft drängende Themen wie den Rückgang demokratischer Standards, globale Ungleichheit und Bedrohungen der künstlerischen Freiheit aufgreift. Performances wie Sarah Ama Duahs to build to bury to remember hinterfragen koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als lebendige, autonome Wesen präsentieren.
Kritiker bemängeln, dass das Gebäude selbst fehl am Platz wirkt. Seine endlosen Betonflure und Rolltreppen erinnern an einen Flughafen – mit wenig Wärme oder Raum für Reflexion. Viele empfinden das Forum als zu palastartig, zu sehr mit kolonialen Erblasten verbunden und zu wenig in das städtische Gefüge integriert.
Das Humboldt Forum bleibt ein Gesprächsthema, hat aber noch nicht recht Fuß gefasst. Seine physische und historische Last überlagert oft seine kulturellen Bemühungen. Die Besucherzahlen und anhaltende Kritik zeigen: Es ist noch ein Werk in Arbeit.
