07 June 2026, 06:17

Organspende-Reform: Soll das Widerspruchsmodell 2030 die Wartezeiten verkürzen?

Berliner haben bisher in diesem Jahr mehr Organe gespendet

Organspende-Reform: Soll das Widerspruchsmodell 2030 die Wartezeiten verkürzen?

Eine überparteiliche Gruppe deutscher Abgeordnete drängt auf eine grundlegende Reform des Organspenderechts. Ihr Vorschlag sieht vor, bis 2030 ein Widerspruchsmodell einzuführen, bei dem alle Erwachsenen automatisch als potenzielle Spender gelten – es sei denn, sie lehnen dies ausdrücklich ab. Die Pläne dürften im Bundestag eine hitzige ethische Debatte auslösen.

Bisher ist eine ausdrückliche Zustimmung der Spender oder ihrer Angehörigen erforderlich. Angesichts Tausender Patienten, die auf lebensrettende Transplantationen warten, argumentieren jedoch einige Politiker, dass der Zeitpunkt für eine Reform gekommen sei.

Die Organspende-Zahlen in Deutschland zeigen sowohl Fortschritte als auch anhaltende Engpässe. Im Jahr 2025 erhielten 3.150 Menschen ein Spenderorgan, doch über 8.200 blieben auf den Wartelisten. Bis Mai 2026 stiegen die bundesweiten Spenden um 12 Prozent – 1.405 Organe wurden gespendet, verglichen mit 1.253 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Besonders stark war der Anstieg in Berlin: Die Hauptstadt verzeichnete von Januar bis Mai 2026 insgesamt 73 Spenderorgane – fast doppelt so viele wie die 39 im Vorjahreszeitraum. Dennoch warten allein in Berlin noch über 400 Menschen auf ein Spenderorgan, während in diesem Jahr bisher knapp 140 Transplantationen durchgeführt wurden.

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Das geplante Widerspruchsmodell würde die Standardregelung umkehren: Jeder Erwachsene wäre automatisch potenzieller Spender, sofern er nicht aktiv widerspricht. Befürworter betonen, dass dies den Mangel lindern und Leben retten könnte. Kritiker, darunter eine weitere Gruppe von Politikern, warnen jedoch, dass die Änderung grundlegende Rechte verletzen könnte, indem sie die Notwendigkeit einer ausdrücklichen Zustimmung aufhebt.

Der Bundestag wird nun die ethischen und rechtlichen Konsequenzen der Reform abwägen. Bei einer Zustimmung würde das neue System 2030 in Kraft treten und eine deutliche Wende in der deutschen Organspendepolitik markieren.

Die Debatte über die Organspendegesetze wird in den kommenden Monaten an Schärfe gewinnen. Sollte das Widerspruchsmodell eingeführt werden, könnte dies die Zahl der verfügbaren Organe erhöhen und Wartezeiten verkürzen. Gleichzeitig wird die Reform auf Widerstand stoßen – vor allem von denen, die überzeugt sind, dass die persönliche Einwilligung im Mittelpunkt des Prozesses bleiben muss.

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