30 March 2026, 14:22

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Chance oder Risiko für die Demokratie?

Offenes Buch mit detaillierter Karte von Damaskus, Syrien, mit begleitendem Text über die Geschichte und Kultur der Stadt.

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Chance oder Risiko für die Demokratie?

Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht diese Woche Berlin im Rahmen der laufenden Gespräche über die Zukunft Syriens. Die Reise folgt auf den Zusammenbruch des Regimes von Baschar al-Assad im Dezember 2024 – ein Wandel, den Aktivisten als Chance für einen demokratischen Neuanfang bezeichnen. Deutsche Regierungsvertreter und syrische zivilgesellschaftliche Gruppen diskutieren nun, wie der Übergang des Landes gestaltet werden kann.

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Seit dem Sturz Assads haben lokale Organisationen in den befreiten Gebieten zentrale Aufgaben übernommen. Sie verwalten die öffentliche Ordnung, verteilen Hilfsgüter und leiten Projekte zur Übergangsjustiz. Doch ihre Arbeit bleibt ungleichmäßig: Sicherheitsrisiken, bewaffnete Gruppen und eine schwache internationale Koordination erschweren die Fortschritte.

Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Wadi, nannte al-Scharaas Besuch "einen wichtigen Schritt", betonte jedoch, dass die Demokratisierung oberste Priorität haben müsse. Sie warnte vor autoritären Tendenzen in der syrischen Übergangsregierung und verwies auf das tief verwurzelte demokratische Defizit des Landes. Gleichzeitig forderte Bischoff Deutschland auf, seine Unterstützung an konkrete Reformen zu knüpfen.

Unterdessen setzte sich die Initiative Adopt a Revolution, die seit 2011 in Syrien aktiv ist, für stärkere rechtliche Absicherungen für Syrer in Deutschland ein, die in ihre Heimat zurückkehren. Ihre Vertreter plädierten zudem dafür, lokalen Gemeinschaften eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau einzuräumen. Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves kritisierte, dass Berlin sich zu sehr auf die Übergangsregierung konzentriere und die breitere Zivilgesellschaft vernachlässige.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die deutsche Hilfe meanwhile an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen geknüpft – ein Schritt, der bei Aktivisten auf Kritik stößt. Diese argumentieren, dass Syriens Zukunft von inklusiver Regierungsführung abhängt und nicht von kurzfristigen Vereinbarungen.

Al-Scharaas Besuch markiert einen entscheidenden Moment für Syriens Übergang. Zivilgesellschaftliche Gruppen fordern mehr Mitsprache beim Wiederaufbau des Landes. Deutschlands Vorgehen – zwischen humanitärer Hilfe, politischen Auflagen und Migrationspolitik – wird mitbestimmen, ob die Ära nach Assad zu dauerhafter Stabilität führt oder in weitere Unruhen mündet.

Quelle