02 April 2026, 14:16

Thüringen startet bundesweit einzigartiges Projekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen

Eine Karte von Australien mit rot schattierten Bereichen, die den Prozentsatz von Teenagern unter 18 in jedem Bundesstaat anzeigen, begleitet von Text, der besagt, dass Teenager unter 18 wegen einvernehmlichen Sex auf die Sex-Täter-Liste gesetzt werden können.

Thüringen startet bundesweit einzigartiges Projekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen

Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen: Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen

Ein dreijähriges Modellprojekt in Thüringen hat sich mit digitaler sexualisierter Gewalt unter jungen Menschen befasst – und zwar durch Workshops an Schulen. Finanziert vom Landesjugendamt erreichte die Initiative rund 5.000 Schülerinnen und Schüler und war die erste ihrer Art in Deutschland. Expertinnen und Experten warnen, dass fast die Hälfte der Jugendlichen mit solcher Gewalt im Netz konfrontiert wird, oft innerhalb des eigenen sozialen Umfelds.

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Geleitet wurde das Projekt von Yasmina Ramdani, die interaktive Methoden entwickelte, um digitale Risiken zu thematisieren. Mit Hilfsmitteln wie Bingokarten verband sie Online-Erfahrungen mit realen Diskussionen. Ihr Ansatz zielte darauf ab, Hemmschwellen abzubauen und offene Gespräche über Grenzen zu fördern.

Ramdani betonte, dass die Sicherheit von Kindern im Netz maßgeblich von der Begleitung durch Erwachsene abhängt. Eltern kommen dabei eine Schlüsselrolle zu – indem sie ihr eigenes Verhalten reflektieren und mit ihren Kindern über digitale Risiken sprechen. Auch Lehrkräfte erkennen die Bedeutung des Themas, fühlen sich aber oft überfordert, es allein zu bewältigen.

Eine Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) aus dem Jahr 2026 ergab, dass 64 Prozent der 14- bis 25-Jährigen bereits Formen digitaler sexualisierter Gewalt erlebt haben. Dazu zählt etwa Cybergrooming, bei dem Täter gezielt über Chats Kontakt zu Kindern aufnehmen. Viele Vorfälle geschehen auch in Freundeskreisen oder Klassenchats – oft aus Naivität und mangelnder Medienkompetenz.

Bundesweite Aufmerksamkeit erhielt das Thema, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes über digitale Gewalt in ihrer Beziehung mit ihrem Ex-Mann Christian Ulmen sprach. Der Fall zeigte, wie solche Übergriffe zunehmend als Teil eines größeren Problems wahrgenommen werden.

Das Thüringer Projekt bot tausenden Schülerinnen und Schülern direkte Unterstützung und stellte Lehrkräften dringend benötigte Materialien zur Verfügung. Zwar belegt die Studie hohe Fallzahlen, doch die Workshops setzten auf Prävention durch Aufklärung und Dialog. Nun steht die Politik vor der Herausforderung, solche Präventionsmaßnahmen flächendeckend auszubauen.

Quelle