15 March 2026, 22:19

Apothekenstreit eskaliert: Wer rettet die lokalen Arzneimittelversorger vor dem Aus?

Eine alte deutsche Postkarte in sehr gutem Zustand, die einen Stempel und den Text "Konzert-Luger-Konferenz-Kommunikation" sowie die Nummer "174097" zeigt.

Apothekenstreit eskaliert: Wer rettet die lokalen Arzneimittelversorger vor dem Aus?

In Deutschland ist eine heftige Debatte über die Zukunft der örtlichen Apotheken entbrannt. Beim Kooperationsgipfel in München gerieten Redcare-Chef Olaf Heinrich und die Präsidentin der Berliner Apothekerkammer, Dr. Ina Lucas, über Finanzierung, Rezeptboni und die Rolle kleiner Apotheken in der Patientenversorgung aneinander. Der Streit eskaliert, während die Zahl der Apotheken weiter sinkt – von 20.662 im Jahr 2013 auf 17.288 im Juli 2024.

Im Mittelpunkt steht die langjährige Forderung, die feste Apothekengebühr von 8,35 Euro auf 9,50 Euro (nach Abzügen etwa 6,58 Euro) anzuheben. Seit 2013 fordern Apotheker diese Erhöhung, um die Inflation auszugleichen und weitere Schließungen zu verhindern. Trotz Zusagen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die Änderung im Frühjahr umzusetzen, blockierte das Finanzministerium den Vorschlag. Als Reaktion kündigten die Apothekerverbände (ABDA) für den 23. März 2026 einen bundesweiten Streik an – mit Protesten gegen Unterfinanzierung und das ApoVWG-Gesetz.

Heinrich argumentierte auf dem Gipfel, dass eine Gebühr von 9,50 Euro scheiternde Apotheken nicht retten werde – das sei "die falsche Lösung". Ein Drittel der lokalen Apotheken sei bereits nicht mehr tragfähig, so der Vorstand, und die Debatte über die Zukunft des Apothekennetzes sei überfällig. Zudem verteidigte er Rezeptboni mit Verweis auf das übergeordnete EU-Recht und schlug vor, digitale Dienstleistungen könnten die persönliche Betreuung ersetzen.

Dr. Ina Lucas widersprach vehement. Sie lehnte die Reduzierung von Apotheken auf reine Logistikzentren ab und betonte, dass kleinere Betriebe – bei angemessener Finanzierung – eine zentrale Rolle in der Therapieunterstützung spielten. Versandapotheken wie Shop Apotheke seien für solche Leistungen "viel zu teuer", so Lucas, während 9,50 Euro das Mindestmaß für qualitative Versorgung darstellten. Zudem kritisierte sie Kurierdienste, die Medikamente unbeaufsichtigt zustellten – ein Punkt, den Heinrich einräumte, indem er Testkäufe von Redcare zur Überprüfung solcher Praktiken erwähnte.

Hinter dem Konflikt stehen tiefgreifende Spannungen über die Apothekenschließungen, mit Prognosen, die bis Ende 2025 weitere Rückgänge vorhersagen. Beide Seiten bleiben uneins, wie sich Kosten, Zugänglichkeit und Patientensicherheit im wandelnden Gesundheitssystem in Einklang bringen lassen.

Die Pattsituation lässt die Apothekenbranche in der Schwebe. Ohne Gebührenerhöhung drohen weitere Schließungen, was die lokale Versorgung verschlechtern würde. Gleichzeitig deuten Regierungszögerlichkeit und Branchenproteste auf einen langwierigen Machtkampf um Finanzierung, digitale Alternativen und das Überleben traditioneller Apotheken hin.

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