CDU leitet Ausschlussverfahren nach AfD-Kooperation in Biebesheim ein
Gemeinsame Kandidatenliste von CDU und AfD in Biebesheim am Rhein löst Parteiausschlussverfahren aus
In Biebesheim am Rhein hat eine gemeinsame Kandidatenliste von CDU- und AfD-Mitgliedern Parteiausschlussverfahren innerhalb der CDU ausgelöst. Der Schritt folgt einer umstrittenen Abstimmung über freiwillige Stellvertreter-Bürgermeisterposten im Gemeinderat. Die Parteiführung verurteilte die Zusammenarbeit als Verstoß gegen die CDU-Linie.
Der Vorfall hat zudem die Debatte über parteiübergreifende Bündnisse auf kommunaler Ebene neu entfacht. Eine aktuelle Studie zeigt, dass solche Kooperationen mit der AfD in der deutschen Kommunalpolitik keineswegs selten sind.
In Biebesheim am Rhein hatten Vertreter von CDU und AfD eine gemeinsame Liste für die Stellvertreter-Bürgermeisterämter eingereicht. Nach einer ersten Vertagung des Antrags einigten sich beide Parteien auf eine überarbeitete Kandidatenschaft. Daraufhin wurde der AfD-Politiker Bernd Kahnert in den Gemeindevorstand gewählt.
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau reagierte umgehend und leitete Parteiausschlussverfahren gegen die beteiligten Mitglieder ein. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer kündigte an, weitere disziplinarische Maßnahmen zu prüfen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte zuvor betont, dass seine Partei angesichts ihrer acht Sitze im 31-köpfigen Gemeinderat Anspruch auf einen Stellvertreter-Bürgermeisterposten erhebe.
Die CDU bezeichnete die gemeinsame Abstimmung als "spontan und unabgestimmt", räumte jedoch ein, dass sie gegen die Unvereinbarkeitsbeschlüsse von 2018 und 2020 verstoße. Der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte die Entscheidung und forderte "sofortiges und entschlossenes" Handeln auf lokaler Ebene.
Der Fall bestätigt Erkenntnisse einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Demnach gab es zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 bei fast 19 Prozent von 5.000 inhaltlichen Kommunalabstimmungen "direkte Zusammenarbeit" zwischen anderen Parteien und der AfD. Die Studie zeigt, dass vor allem fraktionslose Gemeinderäte und Mitglieder kleinerer Parteien zu solchen Bündnissen neigen.
Die CDU-AfD-Liste in Biebesheim galt als Gegenentwurf zu einer gemeinsamen Kandidatenschaft von SPD, Grünen und Freien Wählern, die zusammen 17 Sitze im Gemeinderat halten.
Die eingeleiteten Ausschlussverfahren unterstreichen die harte Haltung der CDU gegen lokale Kooperationen mit der AfD. Die Parteiführung bekräftigte ihre Ablehnung solcher Bündnisse unter Verweis auf langjährige interne Richtlinien. Gleichzeitig belegt die WZB-Studie, dass ähnliche parteiübergreifende Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren bei fast jedem fünften Kommunalvotum in Deutschland stattfand.






