Deutschland wird säkular: Konfessionslose überholen erstmals Christen gemeinsam

Admin User
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Eine Kirche ist prominent in der Mitte des Bildes positioniert.

Deutschland wird säkular: Konfessionslose überholen erstmals Christen gemeinsam

Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte übertreffen konfessionslose Menschen nun die Zahl der Katholiken und Protestanten zusammen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sich 47 Prozent der Deutschen als nicht religiös einordnen, während nur noch 45 Prozent den beiden großen christlichen Konfessionen angehören. Dieser Wandel markiert einen historischen Einschnitt in einem Land, in dem die Kirchen jahrzehntelang als bedeutende Arbeitgeber und soziale Institutionen großen Einfluss besaßen.

Die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland zählen zusammen mit ihren Wohlfahrtsverbänden nach wie vor zu den beiden größten nichtstaatlichen Arbeitgebern des Landes mit rund 1,8 Millionen Beschäftigten. Doch ihr Einfluss schwindet. Ein jüngstes Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat ihre Macht eingeschränkt, indem es willkürliche Arbeitsplatzregeln verbot – und damit das Bild der Kirchen als veraltete Institutionen weiter festigte. Gleichzeitig halten 77 Prozent der Deutschen kirchliche Belange für unwichtig, und 68 Prozent sagen, dass Religion in ihrem Leben keine nennenswerte Rolle spielt.

Besonders ausgeprägt ist der Rückgang der religiösen Bindung selbst unter den Kirchenmitgliedern. Ganze 65 Prozent der Katholiken und Protestanten betrachten ihre eigenen Institutionen als irrelevant. Trotzdem bestehen die Kirchen weiterhin darauf, dass alle Mitarbeiter in ihren staatlich finanzierten Einrichtungen zahlende Mitglieder sein müssen – und drohen Nichtmitgliedern mit Entlassung oder automatischer Ablehnung. Zudem verbieten sie Streiks und rechtfertigen dies mit internen Gremien, die traditionelle Arbeitskampfverfahren ausschließen. In Nordrhein-Westfalen haben einige kirchliche Einrichtungen inzwischen Tarifverhandlungen eingeführt, wie ein Beschluss der Regionalkommission NRW vom 31. Oktober 2024 zeigt. Die Gewerkschaft ver.di fordert die Kirchen auf, ihre Ansprüche auf weitreichende Autonomie aufzugeben, da solche Forderungen mit modernen Arbeitsstandards unvereinbar seien. Experten prognostizieren, dass die Konfessionslosen noch in diesem Jahrzehnt eine absolute Mehrheit bilden werden, was den Einfluss der Kirchen weiter schwächen dürfte.

Die Daten bestätigen einen klaren Trend: Die Säkularisierung in Deutschland beschleunigt sich. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist mittlerweile nicht religiös, während die Kirchen trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung an Relevanz verlieren. Ihr Festhalten an strengen Mitgliedschaftsregeln und Streikverboten riskiert, sowohl Beschäftigte als auch die breite Öffentlichkeit zu verprellen – und macht ihre langfristige Position zunehmend unsicher.