Göttingen erlaubt erstmals öffentlichen Ruf des Muezzins ab Februar 2026

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Ein detailliertes Bild des Berliner Heilig-Kreuz-Tempels mit einem Turm und einem Glockenturm auf einem Blatt Papier mit Text.Admin User

Göttingen erlaubt erstmals öffentlichen Ruf des Muezzins ab Februar 2026

Göttingens DITIB-Muslimgemeinschaft wird erstmals am 24. Februar 2026 den Ruf des Muezzins öffentlich übertragen. Die Ankündigung markiert den Beginn des Fastenbrechens zum Ramadan und folgt auf monatelange Debatten über Religionsfreiheit in der Stadt. Lokale Vertreter – darunter christliche und jüdische Gemeinschaften – haben sich zu der Entscheidung geäußert, die in ganz Deutschland sowohl auf Zustimmung als auch auf kontroverse Diskussionen stößt.

Der Plan entstand im Rahmen des Göttinger "Runden Tisches der Religionen", wo Glaubensgemeinschaften die verfassungsrechtlichen Garantien nach Artikel 4 des Grundgesetzes prüften. Ali Serkan Şahbaz von der DITIB-Gemeinde betonte, dass der Ruf des Muezzins eine liturgische Einladung zum Gebet sei – kein politisches Statement. Die Gemeinschaft versicherte, dass die Übertragung klaren Regeln folge, um Transparenz und Rücksicht auf die Anwohner zu gewährleisten.

Bürgermeisterin Petra Broistedt unterstützte den Schritt und erklärte, alle Religionsgemeinschaften müssten gleich behandelt werden – "ob es um Kirchenglocken oder den Gebetsruf geht". Ihre Haltung deckt sich mit der von Jaqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Göttingens, die Religionsfreiheit als ein Grundrecht bezeichnete, das Respekt verdiene. Dechant Wigbert Schwarze von der katholischen Kirche hingegen beschrieb Vielfalt als Teil des Alltags und rief zu Dialog statt Spaltung auf.

Die Entscheidung folgt auf den Präzedenzfall in Raunheim, wo 2023 als erste hessische Stadt der Muezzin-Ruf dauerhaft eingeführt wurde. Friedrich Merz' Äußerungen von 2025 zu sich wandelnden Stadtbildern hatten die bundesweite Debatte neu entfacht – mit Kritik von Anti-Extremismus-Gruppen, aber auch Unterstützung aus den Reihen der CDU, etwa von Dobrindt und Spahn. Göttingens DITIB-Gemeinde will Bedenken durch Aufklärung abbauen: Geplant sind eine offene Diskussion am 17. März 2026, ein Tag der offenen Moschee am 26. März sowie eine Podiumsdiskussion am 30. März.

Superintendent Dr. Frank Uhlhorn von der evangelischen Kirche ergänzte, öffentlicher Raum sei geteilter Raum. Religiöse Praktiken sollten seinem zufolge in einem regulierten Rahmen möglich sein – ein Spiegel der größeren Debatte um Tradition und Zusammenleben.

Ab dem 24. Februar 2026 wird der Ruf des Muezzins in Göttingen unter vereinbarten Richtlinien zu hören sein. Die DITIB-Gemeinde hat öffentliche Veranstaltungen organisiert, um Verständnis zu fördern und Fragen zu beantworten. Die Entscheidung unterstreicht die anhaltenden Diskussionen über religiöse Ausdrucksformen in Deutschland, wobei lokale Verantwortliche auf Rechtsstaatlichkeit und gegenseitigen Respekt pochen.

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