Tödlicher Hundebiss in Lohne: Warum Deutschlands Gesetze versagen
Tödlicher Hundebiss in Lohne: Warum Deutschlands Gesetze versagen
Ein 33-jähriger Mann aus Lohne in Niedersachsen wurde letzte Woche von seinem eigenen Hund, einem American Bully XL, getötet. Der Vorfall hat die Debatte über Deutschlands strenge, aber uneinheitliche Bundesländer Hundehaltungsgesetze neu entfacht. Die Regelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland stark und sorgen bei Haltern wie Behörden für Verwirrung.
Der American Bully XL ist eine Kreuzung aus American Pit Bull Terrier und American Staffordshire Terrier – beides Rassen, die in Deutschland als "Listenhunde" eingestuft werden. Der Bully XL selbst wird jedoch offiziell nicht als eigenständige Rasse anerkannt und steht in keinem Bundesland auf der Liste gefährlicher Hunde. Dennoch soll der an dem tödlichen Angriff beteiligte Hund besonders kräftig und aggressiv gewesen sein.
Das deutsche Hundeimport- und Bewegungsbeschränkungsgesetz verbietet bundesweit die Einfuhr von vier Rassen: Pit Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier und Bull Terrier. Innerhalb Deutschlands legen jedoch alle 16 Bundesländer eigene Vorschriften fest. Einige, wie Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen (NRW) und Rheinland-Pfalz, stufen bestimmte Rassen als "von Natur aus gefährlich" ein – sie gelten damit stets als aggressiv. Andere, etwa Rottweiler oder Dogo Argentino, werden als "potenziell gefährlich" eingestuft: aggressiv, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Halter von Listenhunden müssen eine Genehmigung erwerben, in der sie ihr Mindestalter, Sachkunde im Umgang mit Hunden und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis nachweisen. In NRW können Verstöße gegen diese Regeln mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro oder sogar zwei Jahren Haft bestraft werden. Der Deutsche Tierschutzbund argumentiert, es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass bestimmte Rassen von Natur aus gefährlich seien. Stattdessen fordert der Verband strengere Ausbildungs- und Zertifizierungsstandards für Hundetrainer, um Verhaltensprobleme vorzubeugen.
Das Flickwerk an Regelungen verunsichert viele Halter. Während einige Bundesländer strenge Kontrollen durchsetzen, verlassen sich andere auf Verhaltensprüfungen, um das Risiko eines Hundes zu bewerten.
Der tödliche Angriff in Lohne unterstreicht die Probleme der zersplitterten Bundesländer Hundegesetze in Deutschland. Ohne einheitliche bundesweite Standards bleibt die Umsetzung uneinheitlich. Die Behörden prüfen weiterhin, wie sich öffentlicher Schutz und Tierschutz in Einklang bringen lassen.
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