Sechs Jahre nach dem Hanauer Anschlag: Trauer, Wut und ungelöste Fragen
Erinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff fordert Vielfalt - Sechs Jahre nach dem Hanauer Anschlag: Trauer, Wut und ungelöste Fragen
Sechs Jahre nach dem Anschlag von Hanau versammelten sich Angehörige und offizielle Vertreter, um der neun Opfer eines rechtsextremen Massakers zu gedenken. Die Gedenkfeier fand am Grab von Hamza Kurtović statt, einem der Menschen, die bei der rassistischen Schießerei am 19. Februar 2020 getötet wurden. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff schloss sich der Familie an und forderte einen entschlosseneren Widerstand gegen Ausgrenzung und Diskriminierung in der Gesellschaft.
Am Abend des 19. Februar 2020 hatte ein Attentäter mit extremistischen Ansichten in Hanau das Feuer eröffnet und neun Menschen – allesamt mit Migrationshintergrund – getötet. Der Anschlag erschütterte Deutschland und löste landesweite Proteste gegen Rassismus aus, darunter Großdemonstrationen wie die Unteilbar-Kundgebungen. Trotz gestiegenen öffentlichen Problembewusstseins und politischer Debatten verzeichnen die Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) einen Anstieg rechtsextremer Gewalt: von 23.115 Vorfällen im Jahr 2020 auf über 28.000 im Jahr 2024.
Bei der Gedenkveranstaltung besuchte Hamza Kurtovićs Vater, Armin, gemeinsam mit Wulff das Grab seines Sohnes. Die Familie Kurtović kritisiert seit Langem die Aufarbeitung des Falls, insbesondere den verschlossenen Notausgang am zweiten Tatort, der den Opfern möglicherweise die Flucht verwehrt hatte. Im November 2023 reichte sie eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein und forderte Konsequenzen für Ermittlungspannen.
Vertreter des Landes Hessen, der Stadt Hanau und der Bundesregierung nahmen ebenfalls an einer Schweigeminute teil. Wulff nutzte die Gelegenheit, um Deutschlands Tendenz zu kritisieren, Diskriminierung zu ignorieren, und mahnte, sich solchen Problemen entschiedener zu stellen.
Der Jahrestag stand im Zeichen von Erinnerung und anhaltender Frustration über ungeklärte Fragen. Während die Familie Kurtović weiterhin nach Gerechtigkeit strebt, räumen offizielle Stellen ein, dass die Bedrohung durch Rechtsextremismus fortbesteht. Trotz öffentlicher Empörung und politischer Diskussionen deutet der Anstieg von Hasskriminalität darauf hin, dass tiefgreifendere Herausforderungen bestehen bleiben.
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